ALWAYS ON! – Wenn ständige Erreichbarkeit Körper und Seele erschöpft

In einer zunehmend digitalisierten Welt gehört ständige Erreichbarkeit für viele zum Alltag. E-Mails, Messenger-Dienste, soziale Medien und berufliche Anforderungen sorgen dafür, dass Arbeit und Privatleben immer stärker miteinander verschwimmen. Was zunächst als Flexibilität und Effizienz erscheint, kann langfristig erhebliche Folgen für die psychische und körperliche Gesundheit haben. Burnout zum Beispiel ist dabei nicht einfach nur eine Phase von Müdigkeit oder Stress, sondern ein Zustand tiefer emotionaler, geistiger und körperlicher Erschöpfung.

Ein wesentlicher Faktor bei der Entstehung von Burnout ist die dauerhafte Aktivierung des Stresssystems. Der menschliche Organismus ist darauf ausgelegt, auf Belastungen zu reagieren und sich anschließend wieder zu erholen.
Wird jedoch über längere Zeit keine ausreichende Regeneration ermöglicht, verbleibt der Körper in einem Zustand erhöhter Anspannung. Die Folge können Schlafstörungen, Muskelverspannungen, Kopfschmerzen, Verdauungsprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten, Herz-Kreislauf-Beschwerden und ein geschwächtes Immunsystem sein. Viele Betroffene berichten außerdem über eine anhaltende Müdigkeit, die sich auch durch Schlaf nicht mehr ausreichend bessert.

Besonders problematisch ist dabei die permanente Erreichbarkeit. Das Gehirn lernt, jederzeit auf neue Anforderungen vorbereitet zu sein. Selbst in Ruhephasen bleibt ein Teil der Aufmerksamkeit auf mögliche Nachrichten, Anrufe oder Aufgaben gerichtet. Dadurch fällt es schwer, wirklich abzuschalten. Die Grenze zwischen Arbeitszeit und Erholung verschwimmt zunehmend. Das Nervensystem erhält kaum noch die Gelegenheit, vom Aktivierungsmodus in einen Zustand von Sicherheit und Regeneration zu wechseln.

In diesem Zusammenhang spielt auch das Phänomen der Hypervigilanz eine wichtige Rolle. Hypervigilanz beschreibt einen Zustand erhöhter Wachsamkeit, bei dem das Nervensystem ständig nach möglichen Anforderungen, Gefahren oder Problemen Ausschau hält. Ursprünglich dient diese Reaktion dem Überleben in bedrohlichen Situationen. Wenn sie jedoch dauerhaft aktiviert bleibt, entsteht ein Gefühl innerer Alarmbereitschaft. Betroffene erleben häufig eine starke Anspannung, können sich schwer entspannen und reagieren empfindlich auf äußere Reize. Oft entsteht das Gefühl, niemals wirklich zur Ruhe zu kommen, selbst wenn objektiv keine akute Gefahr besteht.

Menschen im Burnout berichten zudem davon, nur noch „im Autopilot“ zu funktionieren. Der Alltag wird bewältigt, Termine werden eingehalten und Verpflichtungen erfüllt, doch das eigene Erleben wirkt zunehmend gedämpft oder entfernt. Gefühle werden weniger wahrgenommen, Bedürfnisse geraten in den Hintergrund und die Verbindung zum eigenen Körper nimmt ab. Manche beschreiben es, als würden sie ihr Leben eher beobachten als tatsächlich erleben. Freude, Lebendigkeit und spontane Emotionen treten in den Hintergrund, während Funktionieren und Durchhalten zum zentralen Lebensmodus werden.
Dieser Zustand kann als Schutzreaktion des Organismus verstanden werden. Wenn Stress über einen langen Zeitraum anhält und die eigenen Ressourcen erschöpft sind, reduziert das Nervensystem häufig die Wahrnehmung innerer Signale, um weiterhin leistungsfähig zu bleiben. Kurzfristig kann dies hilfreich erscheinen. Langfristig führt es jedoch dazu, dass Warnzeichen wie Erschöpfung, Überforderung oder emotionale Belastungen immer schlechter wahrgenommen werden. Dadurch wird es schwieriger, rechtzeitig auf die eigenen Bedürfnisse zu reagieren.

Ein wichtiger Schritt aus diesem Kreislauf besteht darin, wieder in Kontakt mit dem eigenen Erleben zu kommen. In meiner Praxis biete ich dazu gezielt Interventionen aus der ACT (Akzeptanz und Commitment Therapie) an. ACT beispielsweise verfolgt das Ziel, einen bewussteren und flexibleren Umgang mit Gedanken, Gefühlen und Körperempfindungen zu entwickeln. Anstatt belastende innere Erfahrungen zu vermeiden oder gegen sie anzukämpfen, lernen Betroffene, diese wahrzunehmen und gleichzeitig ihr Handeln stärker an persönlichen Werten auszurichten. Achtsamkeitsübungen, die bewusste Wahrnehmung des gegenwärtigen Moments und die Klärung persönlicher Lebensziele können helfen, aus dem automatischen Funktionieren auszusteigen und wieder mehr Selbstkontakt zu entwickeln.

Ebenso wichtig ist der mir Einsatz von körperorientierter Psychotherapie. Da sich chronischer Stress nicht nur im Denken, sondern vor allem auch im Nervensystem und im Körper manifestiert, kann die Arbeit über Körperwahrnehmung, Atmung, Bewegung und das bewusste Erspüren körperlicher Signale einen immensen Beitrag zur Regeneration leisten. Ziel ist es, die Fähigkeit zur Selbstregulation zu stärken, Anspannung frühzeitig wahrzunehmen und Sicherheit wieder im eigenen Körper erleben zu können. Viele Menschen entdecken auf diesem Weg schrittweise ihre Bedürfnisse, Grenzen und Ressourcen neu.

Wer unter Burnout-Symptomen, chronischer Erschöpfung oder den Folgen dauerhafter Überlastung leidet, sollte sich professionell unterstützen lassen. Eine therapeutische Begleitung kann dabei helfen, die individuellen Ursachen zu verstehen und neue Wege im Umgang mit Stress zu entwickeln. Empfehlenswert ist dabei insbesondere eine Therapie, die sowohl psychische als auch körperliche Prozesse berücksichtigt. In meiner Praxis verbinde ich moderne psychotherapeutische Ansätze mit einem ganzheitlichen Blick auf den Menschen und kann Betroffene dabei unterstützen, wieder mehr Selbstwahrnehmung, innere Stabilität und Lebensqualität zu entwickeln.

Burnout entsteht meist nicht von heute auf morgen. Ebenso braucht die Regeneration Zeit. Doch mit einem besseren Verständnis der eigenen Belastungsmuster, einer bewussteren Beziehung zum eigenen Körper und geeigneten therapeutischen Methoden ist es möglich, den Kreislauf aus Dauerstress, Hypervigilanz und automatischem Funktionieren zu durchbrechen und wieder mehr Lebendigkeit und Verbundenheit mit sich selbst zu erleben.

Vereinbaren Sie ein unverbindliches Erstgespräch. Ich bin gerne für Sie da. Ihre Daniela Hendrych

 

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